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Selbstverständnis im Gitarrenbau |
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Einfach und natürlich zu denken ist mir beim Bau einer Gitarre das Wichtigste. Besonderen Wert lege ich auf ausgewogene Proportionen. Auch bin ich ein Befürworter der Symmetrie. Klangfelder, egal welcher Frequenz, entwickeln sich bei einer guten Gitarre gleichmäßig auf beiden Seiten der Decke. So wie bei einem Menschen alle Gliedmaßen in einem bestimmten Verhältnis zum Ganzen stehen, so müssen auch alle Einzelteile der Gitarre harmonisch aufeinander abgestimmt sein.
Der Gitarrenbau hat seit Torres keine grundlegende Verbesserung mehr erfahren. Wer diese schlichte Bauweise in ihrer Ausgewogenheit zu verstehen in der Lage ist, hat meines Erachtens eine solide Basis für den Gitarrenbau. Durch den Seitenzug vom Steg zum Sattel braucht die Decke eine Versteifung in Längsrichtung, wie sie durch die klassisch spanische Beleistung (5 bis 7 Spreizer) meiner Meinung nach am besten zu erreichen ist. Der Ton einer Gitarre kann nur tragen, wenn ein Mindestmaß an Masse vorhanden ist. Diese Masse sollte den Einschwingvorgang möglichst nicht erschweren.
Was die Hilfsmaterialien beim Gitarrenbau angeht, so halte ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten an natürliche Produkte wie Hautleim und Schellack. Hautleim hat eine sehr hohe Bindekraft und ist im Gegensatz zu Weißleimen nicht duroplastisch. Das heißt, eine Weißleimfuge bleibt nie wirklich ruhig (sie schmiert) und fällt beim Lackieren oder Polieren gerne ein. Ebenso können Stege die mit Kunstleimen aufgeleimt werden über die Jahre nach vor wandern. Durch seine gute Aushärtung versteift der Hautleim das Holz,was allgemein von Vorteil ist. Auch klanglich bringt Hautleim eine Verbesserung. Zur Schellackpolitur gibt es zumindest auf der Decke keine ernst zu nehmende Alternative. Jeder Spritzlack baut bei der Aushärtung in sich mehr oder weniger große Spannungen auf, die sich auf die Holzteile übertragen. Vorzugsweise setze ich Natur-Schellack ein, der in seinen Rottönen eine tief scheinende und leuchtend lebendige Oberfläche ergibt.
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